Glücksmoment 05.10.2015

Heute zog es mich nach dem Mittagessen an meinen Lieblingsplatz auf der Insel, um ungestört ein bisschen dem Meeresrauschen lauschen zu können, zu lesen und meinen Gedanken nachzuhängen. Kaum hatte ich es mir gemütlich gemacht, kamen zwei Mädchen vorbei, die mich, wie ich es inzwischen schon gewöhnt bin, anquatschten, mich fragten, wie ich hieße, was ich hier machen würde, woher ich komme, wie alt ich sei etc. Ich beantwortete ihnen alle Fragen brav und fragte retour. Sie erzählten mir u.a., dass sie beide 17 sein und letztes Jahr mit der Schule fertig geworden wären, woraufhin ich sie fragte, was sie jetzt machen würden. Sie guckten sich irritiert an, antworteten „Nichts!“ und fingen an zu kichern. Und in dem Moment dachte ich mir nur: stimmt, ihr wartet jetzt noch ein – zwei Jahre bzw. genießt eure Jugend, dann heiratetet ihr (üblicherweise ist das hier spätestens mit 19 der Fall), dann bekommt ihr Kinder und werdet Hausfrauen. Eine andere Perspektive haben diese Mädchen nicht. Die wenigsten können sich den Besuch einer höheren Schule leisten, die Arbeitslosenquote ist extrem hoch, da es viele Arbeitskräfte aus Indien, Bangladesch und Sri Lanka gibt, die günstiger sind als die Maledivaner. Versteht mich nicht falsch: die Menschen hier sind zufrieden mit ihrem Leben, weil sie es einfach nicht anders kennen und mit dem Wort Perspektivlosigkeit wohl kaum etwas anfangen können – es war schon immer so und es wird auch immer so bleiben.

Nachdem mich dieser unverhoffte Perspektivwechsel anfänglich etwas traurig stimmte, dachte ich mir kurze Zeit später, das er eigentlich gut ist, lernt man doch dadurch die eigenen Möglichkeiten (Was mache ich nach dem Abi? Wo und was studiere ich? Oder mache ich lieber eine Ausbildung? Wo geht mein nächster Urlaub hin? Soll ich den Job wechseln und nochmal etwas anderes ausprobieren? …) wieder viel mehr zu schätzen. Und letztlich sollte jeder doch auf seine eigene Art und Weise glücklich und zufrieden sein können.

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