Glücksmoment 05.02.2016

Ich habe mir schon vor einer ganzen Weile das Buch Der Elefant, der das Glück vergaß von Ajahn Brahm gekauft, da ich dachte, dass es nicht schlecht wäre, für Momente, in denen es einem einmal nicht so gut geht, aufmunternde Lektüre zur Hand zur haben. Heute war es dann die folgende Geschichte, die mir das Lächeln zurück brachte und alles wieder ins richtige Licht rückte:

DER GESPRUNGENE BECHER

Der Tod eines geliebten Menschen verändert unser ganzes Leben. Selbst wenn Menschen sterben, die wir gar nicht kennen, zum Beispiel bei Naturkatastrophen, hinterlässt das seine Spuren in unserem Denken. Der Tod ist eine Tatsache des Lebens, und wenn wir sie verstehen lernen, lehrt sie uns, besser auf uns aufzupassen.

Vor vielen Jahren, ich lebte zu dieser Zeit noch in Thailand, hielt mein Lehrer Ajahn Chah einmal seinen Keramikbecher hoch.
„Schaut mal“, sagte er zu uns. „Da ist ein Sprung drin.“
Ich schaute mir den Becher genau an, konnte aber keinen Sprung erkennen.
„Im Moment“, fuhr Ajahn Chah fort, „ist der Riss noch unsichtbar. Aber er ist da. Eines Tages wird irgendjemand diesen Becher fallen lassen, dann zeigt sich der Sprung und führt dazu, dass mein Becher zerbricht. Das ist sein Schicksal. Wäre er dagegen aus Plastik“, erklärte mein Lehrer weiter, „hätte er kein solches Schicksal und auch keinen unsichtbaren Sprung. Man könnte ihn fallen lassen, dagegen schlagen oder sogar mit ihm Fußball spielen, er würde trotzdem nicht kaputtgehen. Seine Unzerstörbarkeit könnte euch zu Unachtsamkeit verleiten. Mein Becher aber ist zerbrechlich und deshalb muss man gut auf ihn aufpassen. Auch der Menschliche Körper“, betonte Ajahn Chah, „hat einen Sprung. Im Moment ist er noch unsichtbar, aber er ist da. Damit meine ich euren zukünftigen Tod. Eines Tages wird es zu einem Unfall oder einer Krankheit kommen oder ihr werdet alt sein; dann tritt der Sprung zutage und ihr sterbt. Das ist euer Schicksal. Wäre euer Leben unendlich“, kam Ajahn Chah zum Schluss, „wäre es so stabil wie ein Plastikbecher, dann könntet ihr auf jegliche Vorsicht verzichten. Weil aber unser Leben so zerbrechlich ist, weil es unser Schicksal ist zu sterben, müssen wir gut darauf aufpassen.“
Wenn wir begriffen haben, dass auch Beziehungen ebenso empfindlich sind wie ein Keramikbecher, folgt daraus, dass wir gut aufeinander aufpassen müssen. Zu wissen, dass das Glück einen Sprung hat, lehr uns, nichts Freudvolles für selbstverständlich zu halten. Und die Erkenntnis, dass unser Leben irgendwann ein Ende hat, macht uns die Kostbarkeit jedes einzelnen Moments deutlich.

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