Glücksmomente 16.-23.06.2016

20160616_18380716.06.2016
Mittags geht es mit Mama und Oma los nach Mallorca. Der Flieger hätte stereotypisch nicht besser besetzt sein können: rüstige Ehepaare, deren Haut schon jetzt lederartig braun ist, Familien mit Kleinstkindern, die aufgeregt sind ob ihres erstes Flugs, Männertruppen, die sich mitten in ihrer Midlife-Crisis befinden, ihre Scheidungen feiern („Was hat deine Frau alles mitgenommen?“) und zu obszön sind, um lustig zu sein („Wieso sind hier keine geilen Stewardessen sondern nur Männer? Sind wir in einem Schwulenclub?“) und eine Fußballmannschaft, die ein Bier nach dem anderen trinkt, beim Start gemeinschaftlich die Arme hebt und singt „Ich heb‘ ab..“ und die Bitte des Stewards, etwas leiser zu sein nur quittiert mit: „Was willst du machen? Uns rauswerfen?“. Als wir 20160616_203353dann in den Bus stiegen, der uns zu unserem Hotel bringen sollte und im Radio „99 Luftballons“ zur Begrüßung lief, konnte ich dann schließlich nur noch lachen und sah meine Vorurteile schon fast bestätigt. Aber es sollte ganz anders kommen, hatten wir uns doch eine ruhigere und wunderschöne Ecke Mallorcas, den Playa de Muro, für unseren Drei-Generationen-Urlaub ausgesucht. Und als wir dann, endlich angekommen, IMG_2333die Sonne im Gesicht hatten, unsere Anlage erkundeten und die Füße das erste Mal ins Meer steckten, wusste ich: alles wird gut und vor uns liegt eine schöne Zeit.

17.06.2016
Um 6.17 Uhr wurden wir von einem schmerzerfüllten Schrei meiner Oma unsanft aus dem Schlaf gerissen. Sie hatte sich in der Bettdecke verhakt und war aus dem Bett gefallen. Dem vermeintlichen Schmerz folgte aber IMG_2247unmittelbar ein bloß erschrockenes Gesicht, so dass wir schon kurz danach lachend zusammen auf dem Bett saßen.
Beim Frühstück entdeckten wir dann ziemlich schnell den Sekt auf dem Buffet – den wir uns ab da an jeden Morgen gönnten. Urlaub ist schließlich nur ein Mal im Jahr und in dieser Konstellation sogar womöglich einmalig.
Den ersten Tag verbrachten wir dann faulenzend, lesend, badend und wandernd am herrlichen Sandstrand.

IMG_227018.06.2016
Heute stand ein ganztägiger Ausflug unter dem Motto „Land und Leute“ ins Inselinnere auf dem Programm. Schon auf der Busfahrt gab es viele wunderschöne Ecken und Foto-Motive (ja, ich denke zuweilen in Foto-Motiven) zu sehen und viel interessantes zu erfahren (Ein trauriger Fakt, der mir in Erinnerung geblieben ist: es herrscht eine IMG_2280Jugendarbeitslosigkeit von 64% (!!!) im Land. Deshalb wird Spaniens Jugend auch oft als verlorene Generation bezeichnet.).
Im Laufe des Tages besuchten wir das Bergdorf Orient im Tramuntana-Gebirge, dass dem Beinamen „Dorf der aufgehenden Sonne“ trägt und aus meiner Sicht völlig zurecht zum „Kulturerbe der Menschheit“ erklärt wurde, eine traditionelle IMG_2301Olivenöl-Mühle, bei der natürlich auch eine Verkostung nicht fehlen durfte, einen kleinen ethnologischen Park sowie eine alte wunderschöne Kirche, die malerisch auf einem kleinen Berg gelegen war, von dem aus sich ein toller Blick über die Umgebung eröffnete. Selbstredend gehörte auch ein landestypisches Mittagessen auf einer urigen Finca dazu. Resümee des Tages: ein wirklich gelungener und empfehlenswerter Ausflug.

19.06.2016
Am Sonntag gaben wir uns wieder ganz dem spanischen Pendant des Savoir-vivre hin. So IMG_2317erfreute ich mich dann vor allem daran, dass ich mit Mama und Oma wie zu Kindertagen im Meer planschte und v.a. letztere immer wieder wie ein junges Reh den Wellen entgegen sprang, dass es einfach nur schön anzusehen war. Als ich dann noch Zeugin von echter Geschwisterliebe wurde (Der größere Bruder sagt zu Papa, dass er in den Pool geht und zieht los. Daraufhin fängt seine kleine Schwester an zu weinen. Ihr Bruder hört es, bleibt stehen und kommt zurück. Er holt ihre Schwimmflügel, hilft ihr beim Anziehen und zieht Hand in Hand mit ihr erneut los in Richtung Pool.), dachte ich schon, der Tag könnte nicht mehr besser werden. Doch dann kommt das Abendessen, das dieses Mal mit zahlreichen mallorquinischen Spezialitäten inkl. einer Wein-Verkostung aufwartet, und mir wird klar: er kann.

20.06.2016
Als wir heute so am Strand auf unseren Liegen saßen und mal „ganz typisch“ schon am 20160617_203048Nachmittag eine Sangría tranken (man will ja schließlich das Land und seine (wenn auch von uns Deutschen eingeführten) Sitten kennen lernen 😉 ), fingen wir an in Erinnerungen über meinen Opa, der Anfang vergangenen Jahres gestorben ist, zu schwelgen. Dabei erfuhr ich viel neues über ihn, insbesondere aus seinen Kindertagen, und darüber war ich einfach nur sehr dankbar.

21.06.2016
IMG_2351Meine Oma hatte vor einigen Jahren Krebs und ist seitdem schwerbehindert, auch wenn das kein Außenstehender sehen kann oder bemerken würde. Meine Eltern wollten meinen Bruder und mich damals verschonen und verschönigten daher die Krankheit, so dass wir erst viel später mitbekamen, was Oma da eigentlich durchgemacht hat. Während des Urlaubs waren wir uns so nah wie seitdem schon lange nicht mehr, natürlich auch nicht zu letzt dadurch, dass wir drei uns ein Apartment teilten. Heute wurde ich dann erstmalig Augenzeuge davon, wie meine Oma mit dieser Einschränkung tagtäglich umgeht. Neben einer gewissen Bedrückung empfand ich aber auch dabei Dankbarkeit, weil endlich offen damit umgegangen wird.
IMG_2355Das kulturelle Highlight des Tages war ein Besuch des Wochenmarktes in der Altstadt Alcúdias, einem wunderschönen Ort im Nordosten Mallorcas, den noch immer eine alte Stadtmauer umgibt. Natürlich erstanden wir dort Souvenirs, kosteten uns aber auch durch die heimischen Spezialitäten und genossen beim anschließenden Spaziergang durch die schmalen Gassen die einmalige Atmosphäre.

IMG_238422.06.2016
Unseren letzten kompletten Tag auf der Deutschen liebsten Insel (dieses Jahr kann Mallorca tatsächlich nochmal einen Besucher-Anstieg von gut 20% verzeichnen) verbrachten wir noch einmal am Strand mit unseren schon lieb gewonnenen Ritualen: lesen, baden, Karten spielen, Eiskaffee trinken, dösen, lesen, baden, baden, baden. Zum Abschied unternahmen wir am Abend bei Sonnenuntergang noch einen ausgedehnten Strand-Spaziergang.

23.06.2016
Nachdem wir uns vom Mittelmeer verabschiedet hatten, wurden wir gegen 15.00 Uhr vom Bus abgeholt und zum IMG_2388Flughafen gebracht. Im Flieger saß ein zuckersüßes Mädchen in der Nachbar-Reihe, das anfangs immer wieder schüchtern rüber guckte, um sich kurz danach wieder hinter ihrer Mama zu verstecken, mir zum Abschied dann aber doch ein breites Lächeln schenkte und zuwinkte. Ein toller Abschluss einen schönen Urlaubs.

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